Reisebericht von Nicole | Januar 2024

Regenbogen über dem Faith Farm Children´s Home

Unsere Reise nach Zimbabwe vom 18.12.2023 bis 12.1.2024

Ich sitze hier auf der Veranda des Administrationsgebäudes mitten im Busch in Zimbabwe. Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Wir hatten viel Besuch, viel zu tun und viel zu besprechen. In ein paar Tagen werden wir wieder in Tirol sein und diesen Ort sehr vermissen.

Endlich sind nach extremer Hitze ein paar Wolken aufgezogen, vielleicht wird es heute noch regnen. Die Pflanzen und Tiere würden sich darüber bestimmt freuen.

Aus der Ferne kann ich das Brüllen der Löwen hören. Dies klingt wahrscheinlich beunruhigend, aber für uns hier ist es schon ganz normal geworden. Die drei Löwen leben in einem nahegelegenen Park und können nicht in unser Dorf vordringen.

Zufrieden schaue ich hinunter auf das Dorf, das wir in den letzten Jahren aufbauen konnten – die grünen Blechdächer haben schon ein bisschen an Farbe verloren, wahrscheinlich aufgrund der extremen Sonneneinstrahlung. Ansonsten ist das Dorf wohlerhalten, gepflegt und sauber. Mama Faith und die Kinder bemühen sich sehr, ihr Zuhause intakt zu halten. Jeden Morgen werden alle Hütten gekehrt und gewischt, auch der Vorplatz des Dorfes wird gekehrt und der Müll entfernt.

Weihnachten im Faith Farm Children´s Home

Da unsere Angestellten und Kinder gläubige Christen sind, ist auch hier Weihnachten ein wichtiger Festtag. Allerdings wird nur am 25.12. gefeiert. Als ich noch zuhause war, fragte ich Mama Nomsa (Leiterin des Heims) per Nachricht, was sich die Kinder den zu Weihnachten wünschen würden. Ihre Antwort lautete: „Gutes Essen, Fleisch, Wasserspritzpistolen und Luftballons.“ Obwohl ich die bodenständige Art der Menschen in Zimbabwe kenne, war ich erstaunt, denn auf den meisten Wunschlisten fürs Christkind in Österreich stehen größere Geschenke, wie eine Playstation, ein Handy oder ein Nintendo.

Vor unserer Reise nach Zimbabwe, bat ich alle Patenfamilien einen Brief für ihre Patenkinder zu schreiben. Alle Familien fragten mich, was sie denn als Weihnachtsgeschenk mitschicken könnten. Und so ergab es sich, dass alle Kinder Weihnachtsgeschenke von ihren Patenfamilien erhielten. Zusätzlich wurden sie alle von Sachspenden, die wir gesammelt hatten, neu eingekleidet und alle Kinder erhielten einen neuen Schulrucksack/eine neue Schultasche. Von Tante Viktoria, die zwei Wochen mit uns in Zimbabwe verbrachte, bekam jedes Kind und jeder Angestellte ein Handtuch mit dem eigenen Namen darauf gestickt. Die Freude war riesengroß! Auch die Angestellten freuten sich ungemein über Geschenke aus Österreich. Zur Feier des Tages gab es zu Mittag Kartoffel, Gemüse, Salat, Ziegenfleisch und Softdrinks – was für ein Festessen!

Am Vormittag hielten wir unsere eigene Messe ab, sangen Lieder und beteten gemeinsam. Am Nachmittag wurde Fußball gespielt und die Kinder tobten sich mit den Wasserspritzpistolen aus (bei über 30 Grad, ein sehr passendes Weihnachtsgeschenk 😊). Am Abend ging dann die Party so richtig los und alle tanzten, bis ihnen die Fußsohlen brannten.

Die restlichen Feiertage und Ferien verbrachten wir mit den Kindern im Kinderdorf. Wir übten Yoga, spielten viel und lebten mit ihnen mit. Die Kinder sind sehr hilfsbereit und sind es gewohnt mit anzupacken. Jedes Kind hat tägliche Aufgaben, wie die Küche aufräumen, beim Kochen helfen, Gemüse am Feld ernten, Feuerholz sammeln etc.

Wir haben zwar einen Gasherd, doch Mama Faith kocht trotzdem meistens am Feuer, da sie es so gewohnt ist und um Gas zu sparen. Nur schnelle Gerichte werden am Gasherd zubereitet. Wir sind froh darüber, dass unsere Angestellten uns beim Sparen helfen.

Dank zusätzlicher Spenden vor unserer Abreise, konnten wir während unseres Aufenthaltes Stockbetten, Matratzen, Decken und einen Tisch mit zwei Bänken für das Kinderdorf kaufen.

"A House doesn´t Make a Home"

… diesen Satz habe ich mir in den letzten Wochen immer wieder gedacht. Unsere Kinder haben hier ein schönes und sicheres Zuhause – viel schöner als sie es je zuvor hatten. Doch ein Haus macht noch lange kein Zuhause. Das Wichtigste an einem Zuhause sind liebende Eltern und ich kann mit gutem Gewissen sagen: „Unsere Kinder werden geliebt.“

Mama Faith ist eine wunderbare Mutter. Für sie ist dies nicht nur ein Job, sie lebt für diese Kinder und würde alles für sie tun. Die Kinder lieben Mama Faith und schauen zu ihr auf.

Die Vaterrolle hat in meinen Augen Onkel Sixtus übernommen. Er ist für unsere Kinder eine Ansprechperson, die immer mit Rat und Tat zur Seite steht.

Trust und Raymond sind die zwei coolen Onkel und Mama Nomsa, eine Art Tante, die sie sehr respektieren.

Sehr berührend für mich ist, ist, dass die Kinder Martin und mich „Mama“ und „Daddy“ nennen.

Solarenergie im Kinderdorf

Wir haben seit ein paar Monaten zwar Solarenergie, jedoch nur im Administrationsgebäude und dort auch nur in einem Raum. Wir schlafen zurzeit in diesem Raum und genießen es, abends Licht zu haben und unsere elektronischen Geräte aufladen zu können. Es wäre großartig, wenn der Strom in allen Hütten genutzt werden könnte. Leider haben wir dafür im Moment keine Kapazitäten. Der Strom würde zwar ausreichen, doch es ist ziemlich teuer, den Strom ins Kinderdorf und in die Farm zu leiten.

Natürlich nutzen auch die Angestellten den Strom, um ihre Handys und Taschenlampen aufzuladen. Wir konnten auch einen großen Kühlschrank inklusive Gefrierschranks kaufen. Was für ein Luxus! Mir war das ein großes Anliegen, da viele Lebensmittel die hohen Temperaturen nicht überleben. Es gibt zwar nicht viele Milchprodukte (Käse kennen die Kinder nicht mal), doch Gemüse, Tomaten, Brot, Fleisch etc. kann nun im Kühlschrank aufbewahrt werden und auch Ziegen- oder Hühnerfleisch kann eingefroren werden. Eine große Erleichterung für Mama Faith, da sie nun ihre Vorräte besser kalkulieren kann und keine Lebensmittel mehr weggeworfen werden müssen.

Eine ausgewogene Ernährung ist uns wichtig

Auch wenn es für uns Europäer nicht so scheinen mag – die Kinder des Faith Farm Children´s Home genießen eine viel ausgewogenere Ernährung als die meisten anderen Kinder in Zimbabwe. In den Ferien bekommen die Kinder vier Mahlzeiten: früh morgens gibt es Porridge, um ca. 10 Uhr Frühstück (meistens selbstgebackenes Brot und Tee), um 14 Uhr Mittagessen (Reis mit Tomatensauce, Nudeln oder Popcorn) und am Abend Sadza (Maismehlbrei) mit Gemüse und Bohnen, Eier oder Fisch.

Die Kinder gehen niemals hungrig ins Bett und sie alle sagen, dass sie noch nie so viel Essen zur Verfügung hatten, wie hier im FFCH. Mama Faith ist zudem eine ausgezeichnete Köchin und Bäckerin. Unser Sohn Samuel sagt immer, er möchte Mama Faith mit nach Österreich nehmen, weil sie so gut kochen kann. 😊

Natürlich wiederholen sich die Gerichte wöchentlich und manchmal kann es auch sein, dass auf einem Teller Reis und ein Löffel Tomatensauce landet, doch auch dann beklagt sich hier keiner. Alle wissen, dass Lebensmittel teuer sind und hart erarbeitet werden müssen. Das Schöne ist, dass es nie Reste gibt, die weggeworfen werden müssen. Alles, was übrig bleibt wird an die Tiere verfüttert. Das Einzige was, ich mir wünschen würde, wäre mehr Obst. Vielleicht wird es nun, da wir einen Kühlschrank haben, einfacher, Obst zu kaufen und haltbar zu lagern. Zurzeit gibt es hier so viel unglaublich gute Früchte: Mangos, Pflaumen, Ananas, Wassermelone und und und. Die Kinder lieben es, wenn wir Obst mitbringen.

Martin hat in den letzten Wochen auch sehr viele Obstbäume gepflanzt. Die Kinder haben dabei geholfen und sie freuen sich schon, wenn sie hoffentlich bald Orangen, Zitronen, Bananen etc. ernten können. Onkel William übergab uns letztens ganz stolz Passionsfrüchte aus dem Garten, die einfach traumhaft schmeckten.

In der Umgebung des Kinderdorfes gibt es sehr viele arme Familien. Viele von ihnen essen eine bis zwei Mahlzeiten am Tag. Manche essen sie auch nur Mais zum Abendessen oder Sadza ohne Beilage.

Normalerweise bekommen unsere Kinder während der Schultage zum Mittagessen auch Sadza in der Schule. Dies muss extra bezahlt werden (7 US-Dollar pro Kind, pro Monat). Leider wurde uns mitgeteilt, dass sich die meisten anderen Eltern diesen Betrag nicht leisten können und sie daher kein Mittagessen in der Schule anbieten können. Wir hätten diese zusätzlichen Kosten gerne auf uns genommen, da die Kinder einen sehr weiten Schulweg (eine Stunde morgens, eine Stunde nachmittags) haben und das warme Mittagessen dringend bräuchten. Unsere Kinder nehmen also von zuhause Essen mit. Meistens Reis mit Erdnussbutter, Brot oder Maissnacks.

 

Vor jeder Mahlzeit wird gesungen und gebetet – die Dankbarkeit für ausreichend Essen ist groß. 

 

Gemeinsame Garten- und Feldarbeit

Wer zuhause einen Garten hat, weiß wie viel Zeit und Energie es kostet, sich ein bisschen Gemüse anzubauen. Für die meisten Menschen in Österreich ist Gartenarbeit ein Hobby, hier ist es eine Notwendigkeit, um die eigene Familie zu ernähren. Da wir sehr viel Platz haben, wollen wir so viel, wie möglich selbst anbauen. Mais, Spinat, Tomaten, Kräuter, Süßkartoffel etc. werden von Uncle Trust und Uncle William derzeit angebaut. Doch nicht nur die Angestellten kümmern sich um Garten und Felder – auch die Kinder müssen dabei anpacken und mitarbeiten. Sie helfen beim Einpflanzen, jäten, gießen, ernten etc. letzte Woche haben Viktoria und ich beim Jäten im Maisfeld geholfen und haben festgestellt, dass man das Essen hier viel mehr schätzt, wenn man am eigenen Leib erfährt, wie viel Arbeit es ist, dieses selbst anzubauen. Wir haben großen Respekt vor den Menschen hier, die diese Arbeit täglich machen, um sich und ihre Familie erhalten zu können.

Dank ausreichender Regenfälle sehen unsere Felder und der Garten sehr grün und gesund aus. Wir hoffen, dass der Regen uns nicht im Stich lassen wird. Da wir die Felder nicht mit dem Wasser des Brunnens bewässern können. Wir hoffen, dass wir dazu in Zukunft das Wasser vom Fluss nutzen können. Doch auch dies ist eine kostspielige und aufwändige Investition, wofür wir im Moment keine auseichenden finanziellem Mittel haben.

Eine wichtige und nachhaltige Lösung für das kleinere Maisfeld hat Martin jedoch gefunden. Und zwar wurde dort eine Tröpfchenbewässerung installiert, damit kann das Feld ausreichend bewässert und gleichzeitig Wasser gespart werden.

Die Ziegenfarm

Auch die Ziegenherde entwickelt sich gut – so zählen wir im Moment 87 gesunde Ziegen. Der Bauer Sixtus macht seine Arbeit sichtlich gut und holt auch immer wieder die Kinder zu Hilfe, um ihnen Neues über die Ziegenhaltung beizubringen. Die Kinder helfen etwa beim Ziegen hüten, füttern, impfen, baden usw.

In einer Sitzung mit allen Angestellten, erzählte der Bauer, dass er großes Interesse und Potenzial in einem der Kinder sieht, später seine eigene Ziegenherde zu haben.

Alle Angestellten arbeiten eng mit den Kindern zusammen und halten Ausschau nach möglichen zukünftigen Projekten für die Kinder. Alle unserer Kinder sind bereits über 10 Jahre alt und haben viel in der Schule verpasst oder sind gar nicht in die Schule gegangen, deshalb ist es für uns wichtig, ihre Talente und Interessen so früh als möglich herauszufinden.

 

Schulstart 2024

Am 9.1. haben all unsere Kinder ein neues Schuljahr begonnen. Die Schulgelder wurden von der Organisation „Cornerstone“ für das gesamte Schuljahr bezahlt. Hierfür möchten wir uns aufrichtig bedanken.

Die Schuluniformen, Schuhe, Bücher etc. wurden mithilfe der monatlichen Unterstützung der Patenfamilien bezahlt. Wir, die Kinder und auch Mama Faith sind den Paten äußerst dankbar. Die Kinder haben wieder mit Freude Briefe an die Familie geschrieben, die wir an sie versenden werden.

Freiwillige Helferinnen

An dieser Stelle möchten wir uns von ganzem Herzen bei unseren freiwilligen Helferinnen bedanken. 
Christina und Katja haben insgesamt sechs Wochen von Mitte Oktober bis Ende Dezember im Faith Farm Children´s Home mitgewirkt, gelebt und geholfen. Wir danken euch für eure tollen Ideen, eure Hilfe in vielen Belangen und ganz besonders für eure Zeit!

Auch bei Viktoria möchten wir uns hiermit nochmals herzlich bedanken – obwohl sie nur zwei Wochen im Faith Farm Children´s Home verbrachte, haben die Kinder sie fest ins Herz geschlossen. Sie half bei alltäglichen Arbeiten, spielte viel mit den Kindern und machte Yogastunden mit ihnen. Vielen Dank für deine Zeit und auch für deine großzügigen Spenden, die du vor Ort entrichtet hast. 

Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützer von Kurima!

Sie sehen, wir haben schon sehr viel im Faith Farm Children´s Home geschafft. Wir freuen uns, dass es den Angestellten, den Kindern und Tieren gut geht, doch wir haben in den letzten Wochen auch gemerkt, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Wir wollen noch viel mehr erreichen. Vor allem ist uns Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sehr wichtig, daher müssen wir noch einiges in die Farm und das Kinderdorf investieren. Wir brauchen weitere Projekte, damit sich das Kinderdorf sobald als möglich selbst erhalten kann und damit durch den Farmbetrieb Einnahmen erzielt werden können. Wir denken dabei an den Verkauf von Ziegen, Hühner, Eier, Gemüse etc.

Wir haben große Bedenken bzgl. Schulbildung. Die ländlichen/öffentlichen Schulen sind dort leider ziemlich rückschrittlich und vor allem für unsere Kinder, die schon sehr viel versäumt haben bestimmt nicht die beste Lösung. Daher denken wir darüber nach, in Zukunft unsere eigene kleine Schule aufzubauen, in der auch andere Kinder aus der Umgebung zum Unterricht willkommen wären. Dadurch könnten wir der Community eine bessere und eventuell günstigere Schulbildung für ihre Kinder bieten.

Es gibt also noch sehr viel zu tun. Wir haben noch viel vor und hoffen daher auf weitere Unterstützung Ihrerseits. Was wir benötigen, sind natürlich finanzielle Hilfen, aber auch Unterstützung in der Organisation von Veranstaltungen. Neue Ideen für Fundraising und Kontakte zu Firmen, die eventuell als Sponsor von Kurima auftreten möchten, sind immer herzlich Willkommen. 

Denn es wird immer schwieriger die monatlichen Kosten des Kinderdorfes und der Farm zu decken. Bekanntermaßen sind Lebensmittel, Benzin und andere Produkte des Alltags in Zimbabwe mindestens gleich teuer, wie in Österreich. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Angestellten, einen fairen Lohn für ihre Arbeit erhalten sollen. Darum danken wir Jedem und Jeder Einzelnen von Ihnen, die unseren Verein „Kurima – Neues Leben für Zimbabwe“ immerzu unterstützen.

Helfen Sie uns daher bitte mit der Bewerbung des Vereins. Erzählen Sie Ihren Freunden, Verwandten, Arbeitskolleg:Innen von Kurima. Sie werden staunen, welch tolle Ideen sich dadurch entwickeln können. Abonnieren Sie auch unseren Newsletter, folgen Sie uns auf Facebook und Instagram. 

Im Namen des Vorstands und der ganzen „Faith Farm Familie“, möchte ich mich für die Unterstützung in den letzten Jahren bedanken. Ohne diese wären wir nie so weit gekommen.

Herzlichst,

Nicole

(Obfrau)

Faith Farm Children´s Home, Zimbabwe, am 10.1.2024

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