Freiwillige Mitarbeit in Zimbabwe | Christina aus Oberösterreich erzählt

Ich hatte im Sommer 2023 die Gelegenheit das Faith Farm Children’s Home zusammen mit Martin & Lovejoy zu besuchen und möchte euch nun ein bisschen davon erzählen…

Da stand ich nun. Am (sehr kleinen) Flughafen von Harare. Vollbepackt, geimpft und bereit für vier Wochen Zimbabwe. Schon jetzt merke ich, dass mich die Menschen hier lange mustern. Mehrmals werde ich mit „Hello, how are you?“ gegrüßt. Martin und Lovejoy begleiten mich und wir werden von Freunden abgeholt. Ich merke Martin an, dass es für ihn wie heimkommen ist. Die erste Zeit bleiben wir noch in einem Hotel, weil Martin noch Dinge in der Stadt erledigen muss. Das ist gut, denn so haben wir (naja hauptsächlich ich) Zeit all die neuen Eindrücke wirken zu lassen: Die Kälte abends, die warme Sonne untertags, die Trockenheit, das Essen, der Stacheldraht auf hohen Mauern, der viele Müll, die Offenheit der Menschen, die Armut, der Reichtum und die große Kluft dazwischen.

Ankunft im Kinderdorf

Als wir uns dann auf den Weg zum Faith Farm Children’s Home nach Chegutu machten war ich schon sehr gespannt und konnte es kaum erwarten. Es war kleiner und einfacher als ich dachte. Das dazugehörige Areal dafür umso größer.
Ich war umgeben von Kindern, die sich um mich drängten um sich vorzustellen und mir die Hand zu schütteln. Alle waren sehr höflich und zuvorkommend mir gegenüber, aber diese Aufregung hat mich anfangs schon etwas überfordert. Auch von Mama Faith und Mama Nomsa wurde ich herzlich begrüßt und gleich nach unserer Ankunft auf dem Gelände herumgeführt.
Wir übernachteten im Administrationsgebäude, etwas abseits von den anderen Schlafräumen.

Mit den meisten älteren Kindern konnte ich mich recht früh unterhalten, sie waren neugierig und hatten viele Fragen. Die jüngeren Kinder dagegen konnten zum Teil noch nicht ganz so gut Englisch, sie waren die ersten Tage noch sehr schüchtern und zurückhaltend mir gegenüber. Wie gern hätte ich da abends beim Lagerfeuer Shona verstanden, denn da hatten alle was zu erzählen. 🙂 Die Gesichter, die Stimmen und das Gelächter halfen mir dennoch ein bisserl was aufzuschnappen.
Und wow – der Sonnenuntergang am ersten Abend war wirklich ein besonderes Spektakel!

gemeinsames arbeiten & gemeinsames leben

Kaum waren wir angekommen wollte ich loslegen, mitanpacken und musste erstmal lernen, dass die Uhren in Zimbabwe wirklich anders ticken. Beziehungsweise gar nicht. Oft haben wir auf irgendjemanden gewartet bevor wir eine Sache erledigen konnten, manchmal hab ich nicht genau verstanden worauf wir warten. Die Zeit haben wir uns vertrieben mit Fußball (die Kinder liiiiiieben es!!), Seil springen, Karten spielen, gemeinsam Lesen, Singen, Malen, Spazieren gehen usw.
Ich habe viel beim Putzen geholfen, Wasser geholt, Essen vorbereitet, Spenden sortiert, Sachen repariert/geflickt/gewaschen oder die Kinder bei ihren Aufgaben unterstützt. Das war auch eine gute Gelegenheit um ein bisschen miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Manchmal hatte ich das Gefühl zu wenig zu tun und gleichzeitig merkte ich aber auch wie sehr die Arbeit (vor allem das Wasser holen), die Hitze und der ungewohnte Tagesablauf an meinen Kräften zehrten. 

Was ich aber wirklich schön fand am Miteinander in Zimbabwe: Egal wie dringend eine Sache erledigt werden muss es wird sich IMMER genug Zeit genommen um miteinander zu plaudern, sich zu verabschieden oder einander zu helfen. Keine Eile, denn der Tag ist lang. 

Die abendliche Runde ums Feuer, die Gebete, die Lieder, die Spiele und die Gespräche werden für mich unvergesslich bleiben. Jeden Tag hielten wir nach dem Mond Ausschau und überlegten wie wohl das Wetter werden wird wenn man die Sterne so klar sieht. In der Ferne Löwengebrüll und bellende Hunde.
Das gemeinsame Essen, Beten und Singen wurde auch für mich zu einem wichtigen Ritual auf das ich mich immer freute.

felsenfester glaube und verbundenheit mit der natur

Die Menschen haben einen tiefen Glauben und täglich setzten sich alle Kinder und Erwachsenen im FFCH mit der Bibel auseinander. Anfangs war ich skeptisch dem gegenüber doch dann habe ich gemerkt wie der Glaube an Gott die Kinder darin bestärkt, sich selbst anzunehmen wie sie sind, sich geliebt, gehört und zugehörig zu fühlen. Und besonders für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen finde ich das unglaublich wertvoll. Mich haben diese Abende sehr bewegt.

Mama Faith und Mama Nomsa sind gebildete und hart arbeitende Frauen. Zwischen ihnen und den Kindern, die sie begleiten ist eine sehr enge, liebevolle Verbindung spürbar. Es hat sich wirklich angefühlt, als würde ich eine Familie kennenlernen. Jedes Familienmitglied muss (nach seinen Möglichkeiten) mitanpacken, Verantwortung übernehmen und Aufgaben erledigen.

Die Lebensweise dort zeigt klar auf, dass alles ein Geben und Nehmen ist in der Natur. Die Tiere und Pflanzen auf der Farm müssen unter großem Kraftaufwand gepflegt werden, während sie für wertvolle Nahrung sorgen. Ein Teil der Nahrung wird an die Hunde, die loyalen Nachtwächter, abgegeben, die (quasi als Gegenleistung) für Sicherheit sorgen. Auch wenn ich das erste mal erschrocken bin als ich sie bellen hörte.
So ähnlich ist es dort auch unter den Menschen: Es ist wichtig, verlässliche Kontakte zu haben, denn so kann man sich gegenseitig unterstützen. Und in Zimbabwe gibt es oft Situationen in denen man auf Hilfe angewiesen ist. Sei es wenn die Tiere entwischen, der Brunnen nicht funktioniert oder man dringend ein Transportmittel braucht.


"wir sind alle gleich"

Ich habe einen großen Koffer voller Spenden mitgebracht. Einen Teil davon haben die Kinder direkt erhalten, den anderen Teil habe ich den Mamas übergeben.
Mir ist aufgefallen, dass es für die Kinder oft so wirkt als komme man (ich meine mich als weiße Österreicherin) aus einem „Wunderland“, wo einem alles nur so zufließt. Sie sehen es an den Dingen die ich mitbringe, an meiner Kleidung, meinen Möglichkeiten und auch daran, dass ich nicht gut darin bin, schwere Sachen zu tragen.

Ich habe mich stets bemüht, den Kindern zu zeigen, dass auch ich meinen Teil beitragen und kräftig mitanpacken muss. Dass wir hier alle gleich sind. Dennoch bin ich an meine Grenzen gestoßen. Während mein Wassereimer nur zu etwa 3/4 gefüllt war, haben die Kinder volle Eimer auf ihren Köpfen über mehr als einen Kilometer Sandstraße balanciert.

Einmal habe ich den Kindern ein paar Griffe auf meiner Ukulele gezeigt. Sie hatten solche Freude dabei, dass ich sie ihnen ein paar Tage geliehen habe. Nach etwas Übung konnte ein Jugendlicher dann sein eigenes Geburtstagsständchen musikalisch begleiten.
Natürlich brauchte er dazu das Instrument von mir, aber SEINE Neugier, seine Geduld, sein beharrliches Üben verschafften ihm diesen Erfolg.
„Kurima“ lebt von Spenden und sie sind essentiell für das Kinderheim und die Menschen dort. Die Kinder selbst können zum Teil noch nicht nachvollziehen, woher all dieser Reichtum kommt, den sie an mir oder ihren Geschenken sehen.
Meine Rolle sah ich deshalb bald darin, sie mehr in ihren eigenen Fähigkeiten zu bestärken und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen wie sie selbst wirksam werden können.
Das Land in dem sie aufwachsen zwingt sie ja schon sehr früh dazu auf eigenen Füßen zu stehen.

Täglich stellen sich die Menschen dort Herausforderungen, die wir (mit Kühlschrank, Heizung, Arbeitsplatz, Stromanschluss, Geschirrspüler, Waschmaschine, Versicherung, Auto, Trinkwasserversorgung, Müllabfuhr und Klospülung) längst vergessen „durften“.
Vielleicht haben wir auch ein bisschen zu viel vergessen, z.B. wie abhängig wir von der Natur sind oder was ein gemeinschaftliches Miteinander bewirken kann. Ach ich könnte noch so viel mehr erzählen und es wäre trotzdem nicht genug.

Ich hoffe, dass ich vor Ort ein bisschen helfen konnte und bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich aus dem Faith Farm Children’s Home mitnehmen konnte.

Martin und Lovejoy waren exzellente Reisebegleiter, ich fühlte mich stets „gut aufgehoben“. Martin hat mich bei all meinen Vorhaben unterstützt und gut beraten. Und es war mir eine Freude Zimbabwe auch ein kleines Stück durch Lovejoys Augen zu sehen. Danke! 🙂

Ich habe starke Kinder kennengelernt (in jeder Hinsicht) und eine sehr familiäre Atmosphäre erlebt, in der alle Beteiligten bemüht sind die Kinder aufzufangen und sie bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten.

DANKE an „Kurima“, besonders Nicole und Martin, dass ich diese wertvolle Erfahrung machen und euer wunderbares Projekt kennen lernen durfte!

Christina 

 

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